Weihnachtsland Erzgebirge

Im Erzgebirge steht die Wiege der deutschen Weihnachtstradition. Wenn die Orte in den schneereichen Höhen Sachsens märchenhaft verschneit sind und leuchtende Schwibbögen, Engel und Bergmänner in den Fenstern die Besucher freundlich grüßen, ist die „hohe Zeit” der Erzgebirgler. Gerade dann kann man viele erzgebirgische Traditionen und Bräuche kennenlernen.

Der Lichterbergmann und der lichtertragende Engel zählen heute zu den bekanntesten Symbolfiguren des Erzgebirges. Aufgrund ihrer schweren Arbeit unter Tage war für die Bergleute das Licht schon immer nicht nur einfache Beleuchtung bei der gefahrvollen Suche nach dem Erz des Gebirges, sondern Sinnbild für das Leben. Zur Geburt schenkte man früher dem Jungen einen Bergmann und dem Mädchen einen Engel. Diese wurden dann ins Fenster gestellt und so wussten man immer, wie viele Kinder die Familie hat.

Die Herstellung der weltbekannten erzgebirgischen Holzkunst ist besonders in Seiffen und Umgebung zu erleben, wo mit den Techniken des Spanbaumstechens und Reifendrehens regionalen Kunstwerken ein einzigartiger Charakter verliehen wird. Diese Holzbearbeitungsmethoden gibt es nur im Erzgebirge. König der erzgebirgischen Figurenwelt ist der Nussknacker. Neben Äpfeln, Pfefferkuchen und anderen Süßigkeiten gehören Nüsse schon seit Jahrhunderten zum Traditionsschmuck des Weihnachtsbaumes. Wer jedoch an den leckeren Kern wollte, musste zuerst die harte Schale knacken. Bereits 1735 war in Sonneberg von hölzernen „Nussbeißern“ die Rede – kräftige Gestalten mit großem Kopf und einem Hebel am Rücken, mit dem die Nuss gegen den Oberkiefer gedrückt und somit geknackt werden konnte.

In der Adventszeit präsentieren die Bewohner des Erzgebirges aber nicht nur ihre liebevoll hergestellten Nussknacker und Räuchermänner. Dann drehen sich in den warmen Stuben auch die Pyramiden und in den Fenstern erstrahlen bezaubernde Schwibbögen. Sie erhielten ihre Form nach dem bogenförmigen, beleuchteten Stolleneingang, durch den die Bergleute einfuhren. Die klassische Variante des Schwibbogens zeigt als Motiv zwei Bergleuten, einen Schnitzer und eine Klöpplerin – die früheren Haupterwerbszweige des Erzgebirges.

In der dunklen Jahreszeit kommt man auch heute noch zum Hutzenabend zusammen. In früheren Zeiten, als noch mühsam gesammeltes Holz das hauptsächliche Heizmaterial war, setzten sich Schnitzer und Klöpplerinnen in einem Zimmer zusammen, um Feuerung und Kerzenlicht zu sparen. Das war die Wiege der Hutzenabende, bei denen zur Arbeit auch gesungen, gelacht und Geschichten ausgetauscht wurden.

Im Mittelalter hielt ein Türmer in jeder größeren Stadt, die einen hohen Turm hatte, nachts von dort Ausschau nach feindlichen Angreifern und Räubern oder alarmierte die Bevölkerung, wenn es irgendwo brannte. Heute gibt es in Deutschland wieder rund 20 Türmer, aber nur in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge lebt eine Türmerfamilie das ganze Jahr über im Turm der St.-Annen-Kirche. 211 Treppenstufen sind es hinauf bis zur Wohnung von Matthias, Marit und Toni Melzer, deren Zuhause einen atemberaubenden Ausblick auf das Erzgebirge bietet. Zu den Pflichten der einzigen Türmerfamilie in Europa gehören das Läuten der Glocken zu Gottesdiensten und Feiertagen und das Aufziehen der Turmuhr. Im Advent illuminieren die Melzers 20 Fenster mit Schwibbögen und Adventssternen.

Seit Juli 2019 darf sich die grenzübergreifende deutsch-tschechische Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří zum Welterbe zählen. 17 deutsche und 5 tschechische Orte repräsentieren das bergbauhistorische Erbe des Erzgebirges, das ein herausragendes und wahrlich einzigartiges Beispiel für eine grenzübergreifende Region ist, die über 800 Jahre fast ununterbrochenen vom Bergbau tiefgreifend und unwiderruflich geformt wurde.