Spätsommer & Herbst am Gardasee
Das mediterrane Klima des Gardasees ist für uns vor allem im Frühjahr und Herbst ein Gewinn – wenn nördlich der Alpen laue Temperaturen noch oder schon ein Wunschtraum sind. Dann kann man hier an der Mole oder unter Olivenbäumen sitzen, die Beine baumeln lassen mit einem Eis in der Hand, durch römische Ausgrabungen oder historische Ortskerne spazieren oder bei einer Schifffahrt über das glitzernde Wassers schauen.
Es gibt nicht viele Seen, die so viele unterschiedliche Gesichter und damit für so viele verschiedene Ansprüche das passende Urlaubsangebot haben. Hier kommen Jung und Alt Sportler und Müßiggänger gleichermaßen auf ihre Kosten. In den Restaurants am See isst man in der Regel vorzüglich (wenn Sie allzu touristische Lokale, oft direkt am Seeufer gelegen, meiden) – vom aufwändigen Menü in einem der Feinschmeckerlokale bis zur schlichten Gardasee-Forelle vom Grill. Immer mehr Köche und Köchinnen besinnen sich auf ihre Wurzeln, also die Gerichte der „Mamma“ mit frischen Zutaten. Ähnliches gilt für den Wein: Kauften Urlauber vor 30 Jahren noch große, billige Korbflaschen, wird längst nach Qualität gefragt. So erfreut sich die Strada del Vino im Hinterland von Bardolino großer Beliebtheit. Im Weinbaugebiet um das ehemalige Fischerdorf Bardolino im Südosten des Gardasees haben sich hervorragende Lagen entwickelt. Der traditionsreiche, trockene Rotwein ist eine Cuvee, bei dessen Herstellung die Rebsorten Corvina Veronese und Rondinella dominieren. Eine beliebte Variante sind auch restsüßebetonte Weine, die weniger Alkohol aufweisen und als Sommerwein in vielen Straßencafés rund um den Gardasee anzutreffen sind. Einen besonderen Leckerbissen stellen die Roséweine, die Chiarettos, wie sie in Italien heißen, dar. Mit einem noch geringeren Alkoholgehalt als der Rotwein dienen sie als willkommene Erfrischung zu jeder Tageszeit.
Der Herbst ist auch die Zeit der Kastanien- und Weinfeste. Alljährlich Anfang Oktober feiert Bardolino seine „Festa dell’Uva e del Vino“. Das „Fest der Trauben und des Weins“ lockt jedes Jahr mehr als 100.000 Besucher in das malerische Städtchen am Ostufer des Gardasees. Unter den mehr als 100 Unternehmen, die sich und Ihre Produkte entlang der Strandpromenade präsentieren, befinden sich mehr als 20 Kellereien aus der Region.
Am Westufer des Gardasees beginnt das Reich der Gardasee-Zitronen, die hier seit dem 13. Jahrhundert angebaut werden und schon zu Goethes Zeiten nach Nordeuropa exportiert wurden. Hier – zwischen Bergen und See – bekam der Dichterfürst auf seiner italienischen Reise zum ersten Mal den Zauber des Landes ‚wo die Zitronen blühen‘ zu spüren.
Insbesondere die Zitrusfrüchte aus Limone waren einst ein Exportschlager. Dank eines besonderen Windes, der Ora, ein meist um die Mittagszeit einsetzender Wind, der bis in den späten Nachmittag anhält, brachten die Limoneser ihre Zitronen nach Riva del Garda. Von hier aus verbreiteten sich die gelben Früchte in alle Welt und machten das einst bitterarme Fischerdorf wohlhabend. Die Ora war sozusagen der Motor der Wirtschaft des ehemals fast von der Außenwelt abgeschnittenen Fischerdorfs Limone. Hier hat die Zitrusfrucht beste Bedingungen: Die hohen Berge halten Stürme und Regen ab und die Terrassen am Hang sind echte Sonnenplätze für die Früchte.
Auf steilen Wegen kommt man zur Limonaia de Castel, eine ehemalige Plantage, die heute als Museum dient. Zwischen April und Ende Oktober kann man dort Zitronen, Mandarinen, Bitterorangen, Clementinen, Kumquats und Zitronatzitronen bei Führungen aus der Nähe bewundern und erfährt Interessantes über die Kunst des Anbaus.
Der Name Limone stammt allerdings nicht von den Früchten, sondern vom Limes, dem berühmten antiken Grenzwall.
Auch einige besonders prächtige italienische Gärten findet man rund um den Gardasee.
Der 560.000 Quadratmeter große Park Sigurtà in Valeggio sul Mincio zählt für viele zu den schönsten Gartenanlagen der Welt. Die Parkanlage bezaubert durch eine unglaubliche Vielfalt an Farben, Blumen, herrlichen Panoramen und malerischen Winkeln.
Am Westufer des Gardasees liegt die Gartenstadt Gardone Riviera. Sie verdankt ihre Bekanntheit vor allem den zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts angelegten Gärten, darunter der Garten des Zahnarztes A. Hruska. 1988 erwarb der österreichische Multimediakünstler André Heller dieses Areal und bereicherte den Garten mit Kunstwerken. Auf über 10.000 qm werden 2.000 Pflanzen aus allen Kontinenten gezeigt, die von Werken so bekannter Künstler wie Keith Haring, Roy Lichtenstein und natürlich auch von André Heller selbst begleitet werden.
